MPU-Auflage ohne Führerschein: Geht das überhaupt?

Von Dr. Philipp Hammerich

Letzte Aktualisierung am: 9. August 2025

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Kein Führerschein und trotzdem zur MPU geladen?

Noch gar kein Führerschein und trotzdem zur MPU geladen - geht das tatsächlich?
Noch gar kein Führerschein und trotzdem zur MPU geladen – geht das tatsächlich?

Die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) ist das Schreckgespenst des Verkehrsrechts. Selbst Fahrzeugführer, die sich grundsätzlich an die Verkehrsregeln halten, fürchten sie.

Dabei haben die meisten nichts zu befürchten, müssen doch schwerwiegendere Gründe für eine solche Auflage vorliegen als eine geringfügige Geschwindigkeitsüberschreitung.

Alkohol oder Drogen am Steuer, acht Punkte auf dem Konto: Es gibt unterschiedlichste Möglichkeiten, eine MPU-Auflage zu erhalten. Hartnäckig hält sich dabei der Glaube, dass eine MPU ohne Führerschein bzw. den Vorbesitz einer Fahrerlaubnis gar nicht erst möglich wäre.

Wie aber verhält es sich damit wirklich?

FAQ: MPU auch ohne Führerschein möglich?

Droht die MPU auch, wenn Sie gar keine Fahrerlaubnis besitzen?

In der Regel ist die MPU-Auflage nur dann zu fürchten, wenn Sie die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis beantragen oder den Führerschein bei entsprechenden Voreintragungen im Fahereignungsregister machen wollen. Zweifelt die Behörde bei Anmeldung zur Führerscheinprüfung aufgrund solcher die Fahreignung an, kann neben den Prüfungen auch eine MPU zur Voraussetzung für den Führerscheinerwerb gemacht werden.

Wozu dient die MPU?

Sind aufgrund von Zuwiderhandlungen die Fahreignung des Betroffenen in Zweifel gezogen, kann die Fahrerlaubnisbehörde eine MPU verlangen. Diese soll Auskunft darüber geben, ob die Fahreignung tatsächlich abgesprochen werden kann oder nicht.

MPU auch ohne Führerschein möglich!

Es ist durchaus möglich, dass Sie eine MPU auch ohne Führerschein machen müssen.
Es ist durchaus möglich, dass Sie eine MPU auch ohne Führerschein machen müssen.

Es handelt sich um einen Irrglauben, dass die MPU-Auflage nur auf Personen zukommen kann, die bereits eine gültige Fahrerlaubnis besitzen. Grundsätzlich kann es jeden treffen, nämlich spätestens dann, wenn er sich bei der Fahrerlaubnisbehörde für die Führerscheinprüfung anmeldet.

Hat sich derjenige zuvor etwas zuschulden kommen lassen, das die Behörde an seiner Fahreignung zweifeln lässt, kann eine zusätzliche MPU auch ohne vorhandenen Führerschein verlangt werden.

Der Betroffene muss also zugleich zwei Bewährungsproben durchstehen: die Fahrschule und die MPU. Erst nach erfolgreichem Abschluss beider kann ihm der Führerschein erteilt werden.

Das bedeutet am Ende auch wesentlich höhere Kosten, als sie andere Fahrschüler für den Erwerb der Fahrerlaubnis zu erwarten haben.

Haben Sie einen MPU-würdigen Verstoß begangen, muss die Polizei Sie über die Möglichkeit der Auflage nicht in Kenntnis setzen. Diese entscheidet nämlich auch nicht über die Verhängung der etwaigen Sanktion – sondern die Fahrerlaubnisbehörde.

Was kann zur MPU-Auflage ohne vorhandenen Führerschein führen?

Bereits mit Drogen aufgefallen? Wollen sie danach die Fahrerlaubnis erwerben, kann eine MPU auch ohne vorhandenen Führerschein drohen.
Bereits mit Drogen aufgefallen? Wollen sie danach die Fahrerlaubnis erwerben, kann eine MPU auch ohne vorhandenen Führerschein drohen.

Nicht nur Autofahrer oder Führerscheininhaber können Verkehrsverstöße begehen. Grundsätzlich trifft das auch auf Fußgänger und Radfahrer zu. Bezüglich des Alkoholkonsums gibt es gerade für Radler eine magische Grenze:

Bei einem Blutalkoholwert ab 1,6 Promille beim Fahrradfahren droht fast unweigerlich die Auflage, eine MPU zu absolvieren. Ohne Führerschein tritt dies erst dann ein, wenn Sie sich bei der Fahrerlaubnisbehörde um die Erteilung des Führerscheins bewerben. Im Zuge der behördlichen Prüfung Ihrer Fahreignung kann diese dann bei entsprechendem Vermerk in Ihren Akten vorab eine MPU verlangen.

Auch wenn Sie früher bereits mit Drogen oder schwereren Alkoholdelikten aufgefallen sind – nicht unweigerlich im Zusammenhang mit Straßenverkehrsverstößen – und sich diese Vorgänge in Ihrer Akte finden, kann die Führerscheinstelle eine MPU auch ohne Führerschein verlangen, wenn Sie die Fahrerlaubnis machen wollen. Spätestens nach 15 Jahren aber tritt die Verjährung bei der MPU ein.

Wollen Sie den Führerschein hingegen nie machen, müssen Sie in der Regel auch keine MPU fürchten. Diese ist an die Fahreignungsprüfung gebunden. Wollen Sie aber gar kein Kfz im Straßenverkehr führen, müssen Sie auch keinen Nachweis über die entsprechende Eignung erbringen. In diesem Fall ist die MPU ohne Führerschein sehr unwahrscheinlich.

Über den Autor

Dr. Philipp Hammerich (Rechtsanwalt)
Dr. Philipp Hammerich

Dr. Philipp Hammerich bekam seine Zulassung als Rechtsanwalt in Deutschland 2007. Er studierte zuvor an der Universität Hamburg und promovierte beim damaligen Richter am BVerfG, Prof. Dr. Hoffmann-Riem. Für bussgeldkatalog.org beantwortet er verschiedene Verbraucherfragen rund um das Verkehrsrecht.

Konnten wir Ihnen weiterhelfen? Dann bewerten Sie uns bitte:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (104 Bewertungen, Durchschnitt: 4,30 von 5)
Loading ratings...Loading...
Diese Themen könnten Sie auch interessieren:

68 Kommentare

Neuen Kommentar verfassen

  1. Patrick E.
    Am 10. Juli 2018 um 14:41

    Guten Tag

    Vor 10 Jahren wurde ich wegen Marihuana Konsum bestraft. Zu der Zeit war ich in der Fahrschule angemeldet. Dann wollte ich später wieder anfangen und soll eine MPU machen. Also werde ich 15jahre warten müssen? Oder gibt es eine Chance früher die Erlaubnis zu bekommen ohne MPU. Bin seit 10jahren weder wegen Drogen noch wegen irgendetwas anderes straffällig geworden.

    Vielen dank

    • staging.bussgeldkatalog.org
      Am 6. August 2018 um 9:32

      Hallo Patrick E.,

      im Regelfall leider nicht. Entweder Sie treten die MPU an und bestehen diese oder Sie warten, bis die Auflage obsolet wird (verjährt). Normalerweise verhält es sich so: Haben Sie sich fünf Jahre nichts zu Schulden kommen lassen, beginnt im sechsten Jahr so etwas wie eine MPU-Verjährung, die nach zehn Jahren in der Regel abgeschlossen ist. Abgesehen davon wird nach fünfzehn Jahren der entsprechende Eintrag gelöscht. Sie können sich bei der Fahrerlaubnisbehörde nach Ihrem Stand erkundigen.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

  2. Dennis
    Am 5. Juli 2018 um 21:39

    Hallo ich habe vor 10 Jahren einmal getrunken und Roller gefahren Habe vor 2 Jahren den Führerschein beantragt und die wollten das ich eine Mpu mache. Ab wann zählt nun das mit dem verjähren? Ab da wo mir das damals passiert ist od ab vorletztes Jahr? Wobei das ja lächerlich wäre…

    • staging.bussgeldkatalog.org
      Am 3. August 2018 um 14:28

      Hallo Dennis,

      bitte wenden Sie sich an einen Anwalt.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

  3. Aslim
    Am 28. Juni 2018 um 23:00

    Hallo,

    mein Freund muss wegen Kanabis Konsum eine MPU machen. Im Februar hat er seine theoretische Tüv Prüfung geschafft und hatte mit den Fahrstunden begonnen, bis das Staßenverkehrsamt die Papiere wegen Drogenkonsum entzogen hat. Er kann aktuell einen 3 monatigen, negativen Test vorweisen. Trotzdem muss er MPU machen. Meine Frage ist, ob er in der Zeit nicht den Führerschein weiterhin machen kann, bzw. muss er nach der MPU mit dem Führerschein komplett neu beginnen? Schließlich hatte er die theoretische Prüfung bereits bestanden.

    Danke im Voraus für die Hilfe

    • staging.bussgeldkatalog.org
      Am 24. Juli 2018 um 12:03

      Hallo Aslim,

      Fragen dieser Art kann die zuständige Behörde beantworten.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

  4. Carsten
    Am 4. Mai 2018 um 10:58

    In meiner Fahrschulzeit bin ich mit 0,8 Promille vor einem Auto gefallen und habe auch keine Fahrerflucht begangen. Kurz vor der Prüfung sagt die Führerscheinbehörde dass man 1. Strafverfahren abwartet. Bisher bin ich mit Alkohol noch nie aufgefallen. Droht mir eine MPU?

    • staging.bussgeldkatalog.org
      Am 28. Mai 2018 um 9:26

      Hallo Carsten,

      ob Ihnen eine MPU droht, lässt sich aus der Ferne leider nicht beurteilen. Lassen Sie sich im Zweifelsfall von einem Anwalt für Verkehrsrecht beraten.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

  5. Fritz
    Am 23. März 2018 um 11:29

    Hallo ich habe jetzt das erstmal überhaupt ein Führerschein beantragt . Nun kam das böse Erwachen die Führerscheinstelle will ein Führungszeugnis. Da ich ein Eintrag in Flensburg habe. Da ich 15 Jahre lang schwer Drogensüchtig war und mittlerweile fast 4 Jahre clean bin und dem zu Folge auch wegen btm vorbestraft bin befürchte ich das ich eine mpu machen muss plus Screening. Ich kann aber glaub Haft beweisen das ich seit fast 4 Jahren clean bin da ich jedes Jahr mindestens drei Drogen Tests machen muss (gerichtliche Auflage) . Ich immer noch Suchtberatung und psychotherapeutische Hilfe habe . Gibt es eine Möglichkeit um die Mpu nicht machen zu müssen ?

    • staging.bussgeldkatalog.org
      Am 23. April 2018 um 12:13

      Hallo Fritz,

      in der Regel kann eine MPU immer dann angeordnet werden, wenn Zweifel an der Fahrtüchtigkeit einer Person bestehen – dies setzt voraus, dass Sie sich in der letzten Zeit und wiederholt Delikte im Verkehr geleistet haben. Ist die Auflage erst einmal angeordnet, kann meist nur mithilfe eines Anwaltes dagegen vorgegangen werden. Sind Ihre Vergehen abgegolten, besteht in der Regel keine Verpflichtung, im Nachhinein noch zu sanktionieren. Ob Sie eine MPU erhalten oder nicht, können wir leider nicht voraussagen.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

Verfassen Sie einen neuen Kommentar